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Wasser


Abendstimmung im Oktober am Vierwaldstättersee, bei Luzern
Foto: Stana Vetsch


Nach dem Feuer galt die besondere Liebe von Franziskus dem Wasser, dem Sinnbild der heiligen Busse, die den Schmutz der Seele reinwäscht; auch weil die erste Reinigung der Seele durch das Wasser der Taufe geschieht.
Wenn er sich deshalb die Hände wusch, so wählte er stets einen Platz, wo das Wasser, wenn es herunterfiel, nicht unter die Füsse der Menschen kam.

Lob sei dir mein Herr durch Schwester Wasser
Sehr nützlich ist sie demütig kostbar und rein
Aus dem Sonnengesang des Franzsikus


Wir sind durch Feuer und Wasser gegangen.
Ein Bild aus dem Stuttgarter Psalter zu Psalm 66,6

Der wunderbarste Besitz der Erde aber ist der gewaltige Reichtum an Wasser, mit dem unser Planet - ganz im Gegensatz zu den anderen Planeten - ausgezeichnet ist.
John C. Eccles


Expo 2002 (Darstellung in der "Holzkugel", Neuchâtel)
Foto: Stana Vetsch

Wasser, du hast weder Geschmack, noch Farbe, noch Aroma. Man kann dich nicht beschreiben. Man schmeckt dich, ohne dich zu kennen. Es ist nicht so, dass man dich zum Leben braucht: du selber bist das Leben! Du durchdringst uns als Labsal, dessen Köstlichkeiten keiner unserer Sinne auszudrücken fähig ist. Durch dich kehren uns alle Kräfte zurück, die wir schon verloren gaben. Dank deiner Segnungen fliessen in uns wieder alle bereits versiegten Quellen der Seele. Du bist der köstlichste Besitz dieser Erde.
Du bist eine leicht gekränkte Gottheit! Aber du schenkst uns ein unbeschreiblich einfaches und grosses Glück.
Antoine de Saint-Exupéry


Wellen am Ufer des Bodensees
Foto: Jakob Vetsch, 1991



Wassergeschichte
Eine Erzählung zur Taufe

Als Gott das Wasser erschuf, war es eines seiner fröhlichsten Geschöpfe. Es floss singend von den Bergen, und selbst im Tal plätscherte es noch vergnügt vor sich hin. So oft es die Erde berührte, blühten Gräser und Blumen auf. Tiere kamen zum Wasser und Menschen. Die sagten alle: "Wie schön du bist. Wie gut, dass es dich gibt." Das freute das Wasser. Es rauschte noch lauter, und wenn es besonders gute Laune hatte, sprang es weit in die Höhe, so dass ein feiner Nebel entstand. Der leuchtete in der Sonne in allen Farben.
So wurde das Wasser fast ein bisschen eitel. "Seht mich an!", rief es. Zuzeiten wurde es sogar so übermütig, dass es über die Ufer trat und wild durch das Land floss. Eines Tages sah es dabei zurück und erschrak. Die Wiesen und Äcker waren überschwemmt. Tiere kämpften um ihr Leben. Pflanzen waren abgerissen und trieben ohne Wurzeln dahin. "Nein!", schrie das Wasser auf. "Das habe ich nicht gewollt. Ich bin doch da, um Leben zu geben, und nicht, um es zu zerstören."
"Alles hat zwei Seiten", sagte der Rabe, der gerade über eine versumpfte Wiese flog und sich auf. "Alles hat zwei Seiten. Nichts im Leben ist nur gut. Finde dich damit ab. Im übrigen hat auch deine Wildheit ihre nützliche Seite. So kannst du Schmutz mitnehmen und alte, leblose Dinge unter dir begraben." Der Rabe galt als besonders weise.
Das Wasser war von seiner Antwort trotzdem nicht befriedigt. Es wurde immer trauriger und wollte schon aufhören zu fliessen. An einigen Stellen war es bereits ganz grün und faulig geworden. Vielleicht wäre es gestorben, wenn nicht Gott selbst zum Wasser gesagt hätte: "Sei nicht so verzweifelt. Ich will etwas ganz Besonderes aus dir machen. Du sollst zum Zeichen der Taufe werden. Da sind deine beiden Seiten wichtig. Du sollst von der Freude reden, die es macht, zu mir zu gehören. Du sollst aber auch davon erzählen, dass im Leben der Menschen Altes und Schlechtes zurückbleiben und wie weggeschwemmt sein kann."
Da fing das Wasser wieder an zu strömen. Manches mal dachte es über alles nach, was es erlebt hatte, und wurde dunkel und tief. Dann aber tanzte es wieder und sang. In unsere Sprache übersetzt sagte es dabei: "Danke Gott, denn es ist schön, dass du da bist. Das Schönste aber ist, dass du das Leben willst."

Karl-Heinz Ronecker



Die Wasserpredigt
Wasser - Eine Taufansprache
Wasserandachten und Gottesdienst


last update: 04.08.2015