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MUTTERTAG


Entstehung

Die Wurzeln dieses Tages reichen ins 13. Jahrhundert zurück. König Heinrich III. von England rief dazu auf, Mitte März den "Mothering Day" zu feiern. In der neuen Form entwickelte er sich besonders seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts in Amerika. 

1907 nahm die Frauenrechtlerin Anna Jarvis aus Philadelphia den Tod ihrer Mutter zum Anlass, sich erfolgreich für die Anerkennung dieses Tages einzusetzen. Weil ihre Mutter am zweiten Sonntag im Mai gestorben war, wählte sie ihn als Gedenktag. Im Jahre 1914 erklärte der amerikanische Präsident Wilson den zweiten Mai-Sonntag zum Muttertag. In der Schweiz wurde er 1917 eingeführt.
In Deutschland proklamierte Reichspräsident von Hindenburg am 26. April 1925, dass der Tag als Ehrentag der Mütter begangen werde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Brauch durch die amerikanischen Soldaten in Europa weiterverbreitet. Seit 1945/50 ist der Muttertag allgemein anerkannt.


Die Mütter

Weil Gott nicht überall sein konnte, schuf er die Mütter.
Arabisches Sprichwort

Tue keinem Mädchen Leides, und denke, dass deine Mutter auch ein Mädchen gewesen ist. 
Matthias Claudius, in: "An meinen Sohn Johannes", 1799

Frauen sind die Hälfte der Menschheit und Mutter der anderen Hälfte. 
Magdalena Adoum, 1923-2001, Leiterin eines Frauennetzwerkes in Ecuador



Maria, die Mutter Jesu

Jenseits aller kultischen Marienverehrung, die Maria erhalten will als "Unberührte", als "Jungfrau", als - wenn man den Bildern und Statuen traut - ewig junge Schönheit, brechen plötzlich das Schicksal und die Fragen so vieler alter Frauen auf, die ihre Kinder an Ideen, an Kriege oder an den Terminkalender verloren haben. Ohne heilige Scheu: Maria ist eine Frau und eine Mutter wie jede andere. Die Bibel gibt uns keinen Anhalt für Beschwichtigung. Sie hat gelitten an der Entfremdung ihres Sohnes. Sie ist schier verzweifelt an seinem Tod. Sie wird aber auch zu einer "Säule" der Gemeinde nach dem Drama auf Golgatha und den verschiedenen Erscheinungsberichten an Ostern.



Die Anekdote zum Muttertag

Vor dem Empfang der Königin Elisabeth von England sagte Papst Johannes XXIII. zu seinem Privatsekretär Loris Capovilla: "Wenn man bedenkt, dass der einfache Bauernsohn aus einem kleinen bergamaskischen Dorf berufen ist, die Königin von England zu empfangen, die Herrin Indiens gewesen ist..." 
Er wollte, dass es nicht bei einer förmlichen Audienz bleibt, und sagte weiter: "Hinterher bringen wir sie in mein Arbeitszimmer." Nach der offiziellen Ansprache und dem üblichen Austausch von Höflichkeiten stiegen wir hinab in sein Zimmer, er mit Elisabeth, ich mit Prinz Philip. Sie unterhielten sich freundlich über dieses und jenes; der Papst zeigte der Königin die Photos seiner Lieben, erkundigte sich nach ihren Verwandten, sie tauschten Eindrücke und Meinungen aus. 
Dann sagte Papst Johannes unvermittelt: "Majestät, ich kenne die Namen Ihrer Kinder, aber ich würde sie gern aus Ihrem Mund hören: keiner vermag sie so auszusprechen wie der Mund der Mutter, auch wenn es ein königlicher Mund ist..." Gerührt antwortete Elisabeth: "Anne, Charles, Andrew." 
Darauf sagte der Papst: "Anne, wie meine liebe Mutter Anna, Charles wie Karl Borromäus, mein Heiliger, und Andrew wie ... Andreas, der den Herrn so von Herzen liebte." 

Renzo Allegri, Johannes XXIII., Ein Lebensbild, Verlag Neue Stadt, 1994, S. 180-181


Predigten

Die Wiedergeburt
Alle Frauen sind Mütter!
Die Mutter und das Kind


Rembrandt, Die Heimkehr des verlorenen Sohnes,
Leinwand, 2.62 x 2.06 m, um 1668/69,
St. Petersburg, Eremitage (zu Lukas 15,11-32)
VerlorenerSohn.jpg
Beachten Sie die Hände:
Die Rechte des Vaters trägt die Züge einer fraulichen Hand
und zeigt seine mütterliche Seite ...
Wir haben hier ein spätes Werk Rembrandts vor uns.
Sein reformierter Glaube veranlasste ihn, sich mit biblischen Motiven auseinanderzusetzen,
und dieses Motiv des heimkehrenden Sohnes beschäftigte ihn besonders.
Der Vater ist aus dem dunklen Torbogen herausgetreten,
wo er so oft Ausschau nach seinem Sohn gehalten haben mag.
Nun hat sich dieser wieder eingefunden.
In Lumpen, mit zerrissenem Schuhwerk und mit leeren Taschen
kniet er vor seinem Vater.
Die Umstehenden machen etwas befremdete, ratlose Gesichter,
auch der soeben dazu gestoßene ältere Bruder, den wir rechts im Bild erkennen.
Kein Vorwurf des Vaters ist sichtbar. Im Gegenteil,
seine ganze Haltung bis hin zum geneigten Kopf vermittelt Zuwendung.
Interessant ist dieses Bild nicht nur wegen der wohlbekannten Geschichte,
sondern auch wegen den Händen des Vaters:
Seine Rechte trägt frauliche Züge und zeigt seine mütterliche Seite.
Der Künstler möchte uns die Überwindung der Gegensätze,
des Männlichen und des Fraulichen zeigen
und uns das Einssein in Christus in die Herzen schreiben,
wie es der Apostel Paulus sagt:
"Da ist nicht Mann und Frau. Denn ihr seid alle einer in Christus Jesus."
Galaterbrief 3,28
Diejenigen, die da zuschauen, haben etwas zu akzeptieren.
Es wartet viel Arbeit auf sie. Dieselbe Liebe Gottes, die ihnen gilt,
gilt auch dem verirrten Herzen des Bruders, das zurückgefunden hat.
Das ist ja das, was so schwierig ist:
Die Hinwendung, die Zuneigung, die Vergebung, die Liebe.
Vorwürfe machen und sich besser fühlen ist einfacher.
Das ist ja das, was so schwierig, aber auch faszinierend ist:
Die Überwindung der Gegensätze;
Nord und Süd, Schwarz und Weiß, Arm und Reich, Mann und Frau.
Darum ist jedes Kind, jede Taufe, jede Familie immer auch ein Hoffnungszeichen:
Dass es der Liebe gelingt, dass es Christus gelingt, zusammenzuführen, was zusammen gehört.



Muttertag-Tipps von Jonida Hitaj

Predigt: Der Gott des Trostes


last update: 04.05.2016