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GEBETE



Ein Gebet für diese Zeit

Guter Gott, segne uns den Anfang
dieses Tages und dieser Woche.
Segne uns und diejenigen mit denen wir verbunden sind.
Segne uns und alle Menschen auf der Erde
und die ganze Schöpfung.

Wir ehren und preisen und loben dich
ob deiner Grösse und Güte.
Wir danken dir für das Leben
und dass du uns durch Jesus Christus liebst und befreist.
Wir lieben den Glauben und sind geborgen
in deiner Gemeinschaft und der Kirche.

Mit Sorge nehmen wir jedoch wahr,
wie viele Menschen enttäuscht und hasserfüllt sind.
Es bereitet uns Kummer,
dass sie keine Perspektiven haben und kein Heil sehen.
Es ängstigt uns, wie grosse Mittel
für die Zerstörung von Leben bereitgestellt sind.

Dir vertrauen wir uns an, zu dir rufen wir um Gerechtigkeit, Respekt und Frieden
in unserer kleinen und in der grossen Welt, die vor dir auch klein ist.
Greife du mit deiner unendlichen Macht ein
und lenke alle Herzen auf dein Reich zu.

So wollen wir es weitersagen,
dein Wort von der Liebe, der Vergebung und Erlösung.
Wir wollen die frohe Botschaft
von deinem Kommen in unser Leben weitersingen.
Und wir danken dir dafür dass wir dazu gehören
und andere mitnehmen können.

Amen.

Jakob Vetsch, 27. Januar 2015



Bruder Klausen-Gebet

Mein Herr und mein Gott
nimm alles von mir,
was mich hindert zu dir.

Mein Herr und mein Gott
gib alles mir,
was mich führet zu dir.

Mein Herr und mein Gott
nimm mich mir
und gib mich ganz zu eigen dir.



Gebet von Jan Hus

Barmherziger Herr Jesus Christus!
Ziehe uns zu dir;
denn wenn du nicht führst,
können wir nicht folgen.
Gib uns einen starken und willigen Geist,
ein trotz aller Widerstände
furchtloses Herz,
um zu glauben und zu tun,
was recht ist.
Verleihe uns eine unerschütterliche Hoffnung,
damit wir um deinetwillen
vieles ertragen können.

6. Juli 1415:
Jan Hus stirbt den Märtyrertod
auf dem Konzil zu Konstanz




Gebete zu den Ich-bin-Worten

Herr Jesus Christus

Du sagst: Ich bin es.... Ich bin da.... Ich bin....
Ich bin der Weg, die Wahrheit, das Leben, das Licht, die Tür,
der gute Hirt, das lebendige Brot, der Weinstock und die Auferstehung.

Ich bitte Dich,
schenk mir Augen,
die unter vielen Lichtern Dein Licht wahrnehmen und erkennen;
schenk mir Ohren,
die aus der Vielfalt der Stimmen, die auf mich eindringen,
Deine Stimme erkennen und heraushören,
wie die Schafe die des guten Hirten;
schenk mir Hände,
die den Zugang zu Deiner Tür finden und den Mitmenschen Türen öffnen;
schenk mir Füsse,
die Schritt für Schritt auf Deinem Weg voranschreiten;
schenk mir Verstand und Vernunft,
in Deiner Wahrheit im Alltag zu erkennen, was wahr und echt ist.
schenk mir genügend Atem und ein Herz,
das für das wahre Leben in Dir und mit Dir offen ist und auf diesem Fundament echtes, christlich gegründetes Menschsein ermöglicht;
schenk mir Hunger nach Dir,
der Du das lebendige Brot bist, sättige mich und lass mich auch den Hunger der Mitmenschen erkennen
und das von Dir empfangene Brot weiterreichen;
schenk mir eine Seele,
die sich nach Gemeinschaft mit Dir sehnt und in Dir Heimat und Verbundenheit finden kann wie die Traube am Weinstock;
schenk mir einen Glauben,
der tief in Dir, im Geheimnis Deines Todes und Deiner Auferstehung wurzelt, und der mich aufrecht stehen
und in tiefer, liebender Beziehung zur Dir wahrhaft leben lässt.

Herr Jesus Christus,
lass mich mit meinem ganzen Sein, allen meinen Sinnen und Gliedern erkennen und glauben, dass DU es bist, der immer schon da war, immer da ist und immer da sein wird –
DU, der Grund und die Mitte jeglichen wahren Lebens,
und DU immer darauf wartest, dass auch ich ganz da bin,
mich auf diese Wahrheit hin ausrichte,
damit DU mir begegnen kannst.

Amen.

Regina Jenny



Ich bin das Licht
Gegen die Finsternis in Dir.

Ich bin der gute Hirt,
der das Verlorene sucht, auch das Verlorene in Deinem Leben.

Ich bin die Tür,
die Deine Verschlossenheit auftut,
die Dich entlässt aus dem Gefängnis Deiner Selbstsucht.

Ich bin der Weg
aus allen Deinen Sackgassen.
Ich führe Dich weg von Deinen Holz- und Irrwegen,
kürze Deine Umwege ab, verzeihe Dir Deine Abwege
und bring Dich auf den Weg des Heils.

Ich bin die Wahrheit,
die Erkenntnis bringt, Täuschungen auflöst,
jene Lügen straft, die Dich verführen.
Ich bin die Wahrheit, die Du suchst auf allen Spuren Deines Lebens.

Ich bin das Brot,
das Deinen Lebenshunger stillt,
den Hunger nach Angenommensein und Liebe.

Ich bin der Weinstock, Du seine Rebe.
Du bist ein Lebensstrom mit mir.
In Deiner Einsamkeit bist Du nicht ohne mich.

Ich bin die Auferstehung,
die den Tod besiegt,
auch dem Tod in Dir will ich das Leben geben.

Ich bin das Leben.
Wer von diesem Wasser trinkt, das ich ihm gebe,
wird nie mehr dürsten, sondern
selbst zu einer Quelle werden, aus der ewiges Leben kommt.

Alois Baiker, SJ



Gebet

Du seltner Pilger, lass dich warnen!
Aus ird'scher Lust und Zauberei,
Die Freud- und Leidvoll dich umgarnen,
Strecke zu Gott die Arme frei!
Nichts mehr musst du hienieden haben,
Himmlisch betrübt, verlassen, arm,
Ein treues Kind, dem Vater klagen
Die ird'sche Lust, den ird'schen Harm.

Es breitet diese einz'ge Stunde
Sich über's ganze Leben still,
Legt blühend sich um deine Wunde,
Die niemals wieder heilen will.
Treu bleibt der Himmel stets den Treuen,
Zur Erd' das Ird'sche niedergeht,
Zum Himmel über die Wüsteneien
Geht ewig siegreich das Gebet.

Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)
Gebet von 1807



Morgengebete

Herr, ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel. Die Nacht ist verflattert, und ich freue mich am Licht. Deine Sonne hat den Tau weggebrannt vom Gras und von unseren Herzen. Was aus uns kommt und was in uns ist an diesem Morgen - alles ist Dank. Herr, ich bin fröhlich heute morgen. Die Vögel und die Engel jubilieren, und ich singe auch. Das All und unsere Herzen sind offen für deine Gnade. Ich fühle meinen Körper und danke. Die Sonne brennt meine Haut, und ich danke. Das Meer rollt gegen den Strand, ich danke. Die Gischt klatscht gegen unser Haus, ich danke. Herr, ich freue mich an der Schöpfung und dass DU dahinter bist und daneben und davor und darüber - und in uns. Ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel. Ein neuer Tag, der glitzert und knistert, knallt und jubiliert von deiner Liebe. Jeden Tag machst Du - gepriesen seist Du, Herr. Amen. 
Aus Westafrika

Lass mich jeden Tag meine Worte an Deiner Rechtlichkeit messen; jeden Tag lass mich Deine Mässigung zeigen, o Gott. Lass mich jeden Tag meine Worte an Deiner Weisheit messen; jeden Tag, jede Nacht lass mich im Frieden leben mit Dir. Jeden Tag lass mich den Ursprung Deiner Gnade ergründen; lass mich jeden Tag achtgeben auf Dein schützendes Recht. Jeden Tag lass mich Dir ein Lied dichten; lass mich jeden Tag zu Deinem Lob spielen, o Gott. Lass mich jeden Tag Dir meine Zuneigung schenken, o Jesus; und jede Nacht lass mich das gleiche tun. Jeden Tag, jede Nacht, im Dunkel und im Licht; lass mich preisen, wie gut Du mir bist, o mein Gott. Amen. 
Aus Irland

Gott, zu Dir rufe ich in der Frühe des Tages. Hilf mir beten und meine Gedanken sammeln zu Dir; ich kann es nicht allein. In mir ist es finster, aber bei Dir ist das Licht; ich bin einsam, aber Du verlässt mich nicht; ich bin kleinmütig, aber bei Dir ist die Hilfe; ich bin unruhig, aber bei Dir ist der Friede; in mir ist Bitterkeit, aber bei Dir ist die Geduld; ich verstehe Deine Wege nicht, aber Du weisst den Weg für mich. Vater im Himmel, Lob und Dank sei Dir für die Ruhe der Nacht, Lob und Dank sei Dir für den neuen Tag. Lob und Dank sei Dir für alle Deine Güte und Treue in meinem vergangenen Leben. Du lässt Deinen Kindern alle Dinge zum Besten dienen. Herr Jesus Christus, Du vergisst mich nicht und suchst mich, Du willst, dass ich Dich erkenne und mich zur Dir kehre. Herr, ich höre Deinen Ruf und folge, hilf mir! Heiliger Geist, gib mir den Glauben, der mich vor Verzweiflung, Süchten und Laster rettet, gib mir die Liebe zu Gott und den Menschen, die allen Hass und Bitterkeit vertilgt, gib mir die Hoffnung, die mich befreit von Furcht und Verzagtheit. Heiliger, barmherziger Gott, mein Schöpfer und mein Heiland, mein Richter und mein Erretter, Du kennst mich und all mein Tun. Du hasst und strafst das Böse in dieser und jener Welt ohne Ansehen der Person, Du vergibst Sünden dem, der Dich aufrichtig darum bittet, Du liebst das Gute und lohnst es auf dieser Erde mit einem getrosten Gewissen und in der künftigen Welt mit der Krone der Gerechtigkeit. Amen. 
Dietrich Bonhoeffer

Glanz der Herrlichkeit des Vaters, Licht vom wahren Licht und Quelle allen Glanzes, Du Tag, der den Tag erleuchtet. Du wahre Sonne, leuchte auf uns herab in Deinem ewigen Glanz, und offenbare unseren Sinnen das Feuer des Heiligen Geistes. Wir bitten Dich von Herzen, Du Vater der ewigen Herrlichkeit, Du Vater der machtvollen Gnade, bewahre uns vor den Nachstellungen des Bösen. Dieser Tag sei mit Freude erfüllt: Am frühen Morgen die Bescheidenheit, am Mittag der Glaube, so wird der Geist auch am Abend lebendig sein. Die Sonne steige herauf und vollende ihren Lauf, und alles werde zu einem neuen Aufgang der Sonne: der Sohn im Vater, der Vater im Wort. Amen. 
Ambrosius

Ich weihe mich heute Gottes mächtiger Führung, Gottes wachendem Auge, Gottes lauschendem Ohr, Gottes schützenden Händen, Gottes fürsprechendem Wort, Gottes leitender Weisheit, Gottes offenen Wegen, Gottes bergendem Schild, Gottes rettender Heerschar. Er schütze mich heute vor jeder erbarmungslosen und grausamen Gewalt, die meine Seele oder meinen Leib bedroht. Er schütze mich heute vor den Einflüsterungen falscher Propheten, gottloser Menschen, gemeiner Gesellen. Christus sei mit mir, Christus sei vor mir, Christus sei in mir, Christus sei unter mir, Christus sei über mir, Christus sei mir zur Rechten, Christus sei mir zur Linken. Er ist die Kraft, er der Friede. Amen. 
Patrick von Irland

Mein Gott, ich weihe Dir alles, was ich heute tue, in Deinen Anliegen und zur Ehre des Herzens Jesu. Jeden Schlag meines Herzens, meine Gedanken und all mein Tun möchte ich vereinen mit Deinen Gaben; ich möchte meine Fehler wiedergutmachen, indem ich sie in den Feuerofen Deiner barmherzigen Liebe werfe. O mein Gott, schenke mir und denen, die mir nahestehen, die Gnade, daß wir aus Liebe zu Dir Deinen göttlichen Willen vollkommen erfüllen. Hilf uns, die Freuden und das Leid dieses vergänglichen Lebens anzunehmen, damit wir eines Tages für die ganze Ewigkeit vereint sind in den Himmeln. Amen. 
Therese von Lisieux

Vater im Himmel, Du hast den Tag von der Nacht geschieden, auf daß beide zu einer Mahnung und zu einer Freude für uns werden: zu einer Mahnung, daß wir Deiner gedenken, zu einer Freude, Dir in jeder Art zu dienen. So soll auch der Tag, der jetzt anbricht, Dir gehören. Er ist noch ganz frisch, und es ist, als ließe sich noch alles aus ihm formen. Und wir wissen, daß er Dein Eigentum ist, denn Du hast ihn geschaffen, daß wir im Gehorsam an Dich daraus einen auserwählten Tag machen, einen Raum, in dem Du jeden Augenblick und überall daheim sein könntest. Laß uns alles, was der Tag bringt, als von Deiner Hand kommend dankbar und froh annehmen, daran innerlich teilnehmen, daraus machen, was Du vorgesehen hast. Laß uns hellhörig sein, so wie der Tag hell ist, durchsichtig zu Dir. Amen. 
Adrienne von Speyr

Willst Du meine Hände, Herr, damit ich den ganzen Tag über denen helfe, die mich brauchen, den Kranken und Armen... Gott, ich gebe Dir meine Hände. Willst Du meine Füße, Herr, damit ich den ganzen Tag über zu denen gehe, die einen Freund nötig haben... Gott, ich gebe Dir meine Füße. Willst Du meine Stimme, Herr, damit ich den ganzen Tag über mit denen spreche, die Deine Worte der Liebe brauchen... Gott, ich gebe Dir heute meine Stimme. Willst Du mein Herz, Herr, damit ich den ganzen Tag über alle liebe ohne Ausnahme... Gott, ich gebe Dir heute mein Herz. Amen. 
Mutter Teresa

Morgengebet vor dem Herbst
Liebender Gott, vorüber ist die Sommerpause und bald beginnt die Erntezeit. Wir danken dir für die Ruhe und die Sonne. Wir danken dir für die Zeit der Reife, in der wir uns positionieren und wieder aufs Neue auf dich hin orientieren konnten. Wir danken dir für deinen Segen – auch für diese Minuten, die wir für uns allein haben vor deinem Angesicht.
Immer wieder dürfen wir neue Erfahrungen machen. Du bist so gross. Du vergibst und machst frei. Du bist es, der den neuen Tag bringt. Du bist es, der uns den Morgen schenkt. Du bist das Licht unseres Lebens. In deinem Licht wird uns hell. So können wir gestärkt den Weg fortsetzen durch die Widersprüche und die Wirrnisse dieser Zeit und unseres Lebens. Wir loben und preisen dich.
Sei du bei uns und allen mit denen wir verbunden sind. Sei du bei deiner Kirche, die du liebst. Sei bei allen Menschen und bei deiner ganzen Schöpfung; vor allem bei den Mittellosen, den Kranken, den Heimatlosen, den Unterdrückten, den Witwen und Waisen. Gib uns die Aufmerksamkeit, die Mittel und die Kraft, an sie alle gute Gedanken zu schicken und im Kleinen dort zu helfen wo wir können. Schenke uns ein Herz, das sich nicht vom Bösen einholen lässt, sondern Böses mit Gutem vergilt.
Amen.
Jakob Vetsch, 25. August 2015, Wasserkirche Zürich

Ein Morgengebet des Joseph von Eichendorff

O wunderbares, tiefes Schweigen,
Wie einsam ist's noch auf der Welt!
Die Wälder nur sich leise neigen,
Als ging' der Herr durchs stille Feld.
 
Ich fühl mich recht wie neu geschaffen
Wo ist die Sorge nun und Not?
Was mich noch gestern wollt erschlaffen,
Ich schäm mich des im Morgenrot.
 
Die Welt mit ihrem Gram und Glücke
Will ich, ein Pilger, frohbereit
Betreten nur wie eine Brücke
Zu dir, Herr, übern Strom der Zeit.
 
Und buhlt mein Lied, auf Weltgunst lauernd,
Um schnöden Sold der Eitelkeit:
Zerschlag mein Saitenspiel, und schauernd
Schweig ich vor dir in Ewigkeit

Joseph von Eichendorff

Gib uns deinen Atem
Herr, gib uns Atem, auf daß wir nicht atemlos werden im Laufe des Weges, auf daß unsere Lungen stets voller Odem und Leben seien. Hilf uns, daß wir in den Morgen gehen, ohne rückwärts zu schauen und die Anstrengungen zu scheuen. Gib uns Atem, daß wir alles, was Menschen ? und auch du ? von uns erwarten, wahrhaft vermögen. Gib uns Hoffnung auch bei Sturm und Flut, weil du da bist und wir auf dich hoffen. So tragen wir in uns alle Hoffnung der Menschen, aber auch alle ihre Qualen, heute und in alle Zeit. Gib uns Atem, um neu zu hoffen, so als ob das Leben erst heute begänne. Gib uns Atem, deinen Atem, der vom Vater kommt, deinen Geist, der weht wo er will, in Regen und Wind oder im leichten Anhauch, mit dem du uns einlädst, deinem geistigen Fluge zu folgen. Gib uns deinen Atem für ein Gebet aus der Tiefe, ein Gebet, das du uns eingibst, das in uns aufsteigt und nach deiner Wiederkehr in Herrlichkeit ruft, das sich sehnt nach der Fülle des Herrn. 
Kardinal Leon-Joseph Suenens



Abendgebete

Gott, Du bist mein Vater, Du bist meine Mutter. Jetzt werde ich schlafen unter Deinen Füßen, unter Deinen Händen, Du, Herr der Berge und der Täler, Du, Herr der Bäume und aller Schlinggewächse. Morgen ist wieder ein Tag. Morgen ist wieder das Sonnenlicht. Ich weiß nicht, was dann sein wird. Meine Mutter und mein Vater wissen es auch nicht. Nur Du, Gott, siehst mich. Du hütest mich auf jedem Weg, in jeder Dunkelheit, vor jedem Hindernis, Du, mein Herr, Du, Herr der Berge und der Täler. Du weißt, was ich heute gesagt habe, ob es gut war oder böse, ob es zu wenig war oder zu viel. Du aber vergibst mir alle meine Verfehlungen. Amen. 
Abendgebet der Siouxindianer

Bleibe bei uns, Herr, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Bleibe bei uns - und bei allen Menschen. Bleibe bei uns am Abend des Tages, am Abend des Lebens und am Abend der Welt. Bleibe bei uns mit Deiner Gnade und Güte, mit Deinem Wort, mit Deinem Trost und Segen. Bleibe bei uns, wenn über uns kommt die Nacht der Trübsal und der Angst, die Nacht des Zweifels und der Anfechtung, und die Nacht des Todes. Bleibe bei uns - und bei allen Deinen Kindern in Zeit und Ewigkeit. Amen. 
Nach Lukas 24,29

Herr, mein Gott, ich danke Dir, daß Du diesen Tag zu Ende gebracht hast; ich danke Dir, daß Du Leib und Seele zur Ruhe kommen läßt. Deine Hand war über mir und hat mich behütet und bewahrt. Vergib allen Kleinglauben und alles Unrecht dieses Tages und hilf, daß ich allen vergebe, die mir Unrecht getan haben. Laß mich in Frieden unter Deinem Schutz schlafen und bewahre mich vor den Anfechtungen der Finsternis. Ich befehle Dir die Meinen, ich befehle Dir dieses Haus, ich befehle Dir meinen Leib und meine Seele. Gott, Dein heiliger Name sei gelobt! Amen. 
Dietrich Bonhoeffer

Gott, Schöpfer der Welt, Lenker des Himmels, Du kleidest den Tag in den Glanz Deines Lichtes und schenkst uns Ruhe im Schlaf der Nacht. Der Tag hat sich geneigt, und die Nacht bricht ein. Dankbar singen wir Dir zum Lob das Gebet des vergangenen Tages. Dich preise unser Herz, Dir singe unsere Stimme, Dich ehre die reine Liebe, Dich bete an der Geist. Wenn dann die Dunkelheit anbricht und das Tageslicht verdrängt, bleibe unser Glaube wach und erhelle die Nacht. Laß nicht zu, daß der Geist ermattet; die Sünde soll ruhen. Frisch und rein werde unser Denken, die Unruhe vergehe in der Nacht. Jede Bosheit möge verschwinden, träumen möchte ich von Dir, und die Angst vor dem Feind kann unseren Frieden nicht stören. Wir rufen an Christus und den Vater und den Heiligen Geist Gottes: Einziger, wahrer und dreifaltiger Gott, sei allen gnädig, die zu Dir beten. Amen. 
Ambrosius

O Gott, voll Freude komme ich jeden Abend zu Dir, um Dir zu danken für die Gnaden, die Du mir hast zuteil werden lassen. Ich bitte um Vergebung für die Fehler, die ich begangen habe während des Tages, der nun vergeht wie ein Traum. Jesus, wie glücklich wäre ich, wenn ich immer treu gewesen wäre, doch leider bin ich am Abend oft traurig, denn ich fühle, daß ich Deinen Gnaden besser hätte entsprechen können... Wäre ich mehr vereint gewesen mit Dir, wäre ich liebevoller gewesen zu meinen Geschwistern, demütiger und freier von mir selbst, fiele es mir leichter, mich mit Dir zu unterhalten. Doch ich verliere nicht den Mut, weil ich mein Elend sehe, sondern ich komme voll Vertrauen zu Dir, denn ich denke, daß "nicht die Gesunden den Arzt brauchen, sondern die Kranken". Daher flehe ich Dich an, mich zu heilen und mir zu verzeihen... Morgen werde ich mit Hilfe Deiner Gnade ein neues Leben beginnen, in dem jeder Augenblick ein Akt der Liebe und der Dankbarkeit sein soll. Amen. 
Therese von Lisieux



Im Gottesdienst

Allmächtiger Gott, du hast uns die Gnade dieses einträchtigen Beisammenseins geschenkt. Wir konnten dir unsere Bitten gemeinsam sagen. Durch deinen geliebten Sohn hast du zugesagt, dass du unter uns bist, wo zwei oder drei in deinem Namen versammelt sind. So erhöre, Herr, unsere Gebete, so wie es das Beste für uns ist. Schenke uns die Erkenntnis der Wahrheit in dieser und der kommenden Welt, in Ewigkeit.

Johannes Chrysostomos



Ich bin kalt in der Liebe


Siehe, Herr,
ich bin ein leeres Gefäss,
das bedarf sehr,
dass man es fülle.

Mein Herr, fülle es,
ich bin schwach im Glauben;
Stärke mich,
ich bin kalt in der Liebe.

Wärme mich und mache mich heiss,
dass meine Liebe herausfliesse
auf meinen Nächsten.

Ich habe keinen festen, starken Glauben,
und zweifle zuzeiten
und kann dir nicht völlig vertrauen.

Ach Herr, hilf mir,
mehre mir den Glauben und das Vertrauen.
Alles, was ich habe,
ist in dir beschlossen.

Ich bin arm,
du bist reich
und bist gekommen,
dich der Armen zu erbarmen.

Ich bin ein Sünder,
du bist gerecht.
Hier bei mir ist die Krankheit der Sünde,
in dir aber ist die Fülle der Gerechtigkeit.

Darum bleibe ich bei dir,
dir muss ich nicht geben;
von dir kann ich nehmen.

Martin Luther, WA 10 I, S. 438




Ich möchte zu Dir kommen

Ewiger, heiliger, geheimnisvoller Gott.
Ich möchte zu Dir kommen, ich möchte Dich hören, Dir antworten.
Vertrauen möchte ich Dir und Dich lieben,
Dich und alle Deine Geschöpfe.
Dir in die Hände lege ich Sorge, Zweifel und Angst.
Ich bringe keinen Glauben und habe keinen Frieden.
Nimm mich auf. Sei bei mir, damit ich bei Dir bin, Tag um Tag.
Führe mich, damit ich Dich finde und Deine Barmherzigkeit.
Dir will ich gehören. Dir will ich danken. Dich will ich rühmen.
Herr, mein Gott! – Amen.

Jörg Zink



Nächstenliebe

Herr, gib uns Augen,
die den Nachbarn sehn;
Ohren, die ihn hören
und ihn auch verstehn.

Hände, die es lernen,
wie man hilft und heilt;
Füsse, die nicht zögern,
wenn die Hilfe eilt.

Herzen, die sich freuen,
wenn ein andrer lacht;
einen Mund zu reden,
was ihn glücklich macht.

Friedrich Walz (nach 3. Mose 19,34: "Wie ein Einheimischer aus eurer eignen Mitte soll euch der Fremdling gelten, der bei euch wohnt, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; ihr seid doch auch Fremdlinge gewesen im Lande Ägypten; ich bin der Herr, euer Gott."



Gebet im Alter

Herr, du weisst, dass ich altere und bald alt sein werde. Bewahre mich davor, schwatzhaft zu werden, und besonders vor der fatalen Gewohnheit, bei jeder Gelegenheit und über jedes Thema mitreden zu wollen. Befreie mich von der Einbildung, ich müsse anderer Leute Angelegenheiten in Ordnung bringen. Bei meinem ungeheuren Schatz an Erfahrung und Weisheit ist´s freilich ein Jammer, nicht jedermann daran teilnehmen zu lassen. Aber du weisst, Herr, dass ich am Ende ein paar Freunde brauche. Ich wage nicht, dich um die Fähigkeit zu bitten, die Klagen meiner Mitmenschen über ihre Leiden mit nie versagender Teilnahme anzuhören. Hilf mir nur, sie mit Geduld zu ertragen, und versiegle meinen Mund, wenn es sich um meine eigenen Kümmernisse und Gebresten handelt. Sie nehmen zu mit den Jahren, und meine Neigung, sie aufzuzählen, wächst mit ihnen. Ich will dich auch nicht um ein besseres Gedächtnis bitten, nur um etwas mehr Demut und weniger Selbstsicherheit, wenn meine Erinnerung nicht mehr mit der der andern übereinstimmt. Schenke mir die wichtige Einsicht, dass ich mich gelegentlich irren kann. Hilf mir, einigermassen milde zu bleiben. Ich habe nicht den Ehrgeiz, eine Heilige zu werden (mit manchen von ihnen ist so schwer auszukommen!), aber ein scharfes, altes Weib ist eines der Meisterwerke des Teufels. Mach mich teilnehmend, aber nicht sentimental, hilfsbereit, aber nicht aufdringlich. Gewähre mir, dass ich Gutes finde, wo ich es nicht vermutet habe, und Talente bei Leuten, denen ich es nicht zugetraut hätte. Und schenke mir, Herr, die Liebenswürdigkeit, es ihnen zu sagen. 
Eine nicht mit Namen bekannte Äbtissin



Gebet um Humor

Schenke mir eine gute Verdauung, Herr, und auch etwas zum Verdauen. Schenke mir Gesundheit des Leibes, mit dem nötigen Sinn dafür, ihn möglichst gut zu erhalten. Schenke mir eine heilige Seele, Herr, die das im Auge behält, was gut ist und rein, damit sie im Anblick der Sünde nicht erschrecke, sondern das Mittel finde, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen. Schenke mir eine Seele, der die Langeweile fremd ist, die kein Murren kennt und kein Seufzen und Klagen, und lasse nicht zu, dass ich mir allzuviel Sorgen mache um dieses sich breit machende Etwas, das sich "Ich" nennt. Herr, schenke mir Sinn für Humor; gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen, damit ich ein wenig Glück kenne im Leben und anderen davon mitteile. Amen. 

Thomas Morus



Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte

Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Herr, sondern um die Kraft für den Alltag. Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte. Mach mich findig und erfinderisch, um im täglichen Vielerlei und Allerlei rechtzeitig meine Erkenntnisse und Erfahrungen zu notieren, von denen ich besonders getroffen und betroffen bin. Mach mich griffsicher in der richtigen Zeiteinteilung. Schenke mir das Fingerspitzengefühl, um herauszufinden, was erstrangig und was zweitrangig ist. Ich bitte um Kraft für Zucht und Mass, dass ich nicht durch das Leben rutsche, sondern den Tagesablauf vernünftig einteile, auf Lichtblicke und Höhepunkte hin auch, und wenigstens hin und wieder Zeit finde für einen kulturellen Genuss. Lass mich erkennen, dass Träumereien nicht weiterhelfen, weder über die Vergangenheit noch über die Zukunft. Hilf mir, das Nächste so gut wie möglich zu tun und die jetzige Stunde als die wichtigste zu erkennen. Bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müsste im Leben alles glatt gehen. Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge und Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen. Erinnere mich daran, dass das Herz oft gegen den Verstand streikt. Schick mir im rechten Augenblick jemand, der den Mut hat, mir die Wahrheit in Liebe zu sagen. Gib mir das tägliche Brot für Leib und Seele, eine Geste deiner Liebe, ein freundliches Echo, und wenigstens hin und wieder das Erlebnis, dass ich gebraucht werde. Ich weiss, dass sich viele Probleme dadurch lösen, dass man nichts tut. Gib mir, dass ich warten kann. Ich möchte dich und die anderen immer aussprechen lassen. Das Wichtigste sagt man sich nicht selbst, es wird einem gesagt. Du weisst, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen. Gib, dass ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten und zartesten Unternehmen des Lebens gewachsen bin. Verleihe mir die nötige Phantasie, im rechten Augenblick ein Päcklein Güte - mit oder ohne Worte - an der richtigen Stelle abzugeben. Mach aus mir einen Menschen, der einem Schiff im Tiefgang gleicht, um auch die zu erreichen, die unten sind. Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen. Gib mir nichts, was ich mir wünsche, sondern was ich brauche. Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte. Antoine de Saint-Exupéry



In Krankheit

Herr, ich habe dich um Kraft gebeten, um Erfolg zu haben; du hast mich schwach werden lassen, damit ich gehorchen lerne. Ich habe dich um Gesundheit gebeten, um grosse Dinge zu tun; ich habe die Krankheit erhalten, um Besseres zu tun. Ich habe dich um Reichtum gebeten, um glücklich zu sein; ich habe die Armut erhalten, um weise zu sein. Ich habe dich um Macht gebeten, um von den Menschen geschätzt zu werden, ich habe die Ohnmacht erhalten, um Verlangen nach dir zu verspüren. Ich habe dich um Freundschaft gebeten, um nicht allein leben zu müssen; du hast mir ein Herz gegeben, um alle meine Brüder zu lieben. Ich habe nichts gehabt von dem, was ich erbeten hatte; ich habe alles gehabt, was ich erhofft hatte. Fast gegen meinen Willen sind alle meine ungesagten Gebete erhört worden. Ich bin der Beschenkteste aller Menschen. Dank dir, Herr! 
Inschrift vor einem Spital

Vater, ich will dir von kleinen Dingen erzählen, die mich durch den Tag begleiteten: Ich habe heute mit einem KIND gespielt und freute mich über das glückliche Lachen und über die strahlenden Augen. Ich habe heute ein kleines KÄTZCHEN gestreichelt, ein warmes, kuscheliges Knäuel in meiner Hand. Ich sah heute einen alten MENSCHEN lächeln, und ich bin auch froh darüber, daß ich mir Zeit nahm, einem Freund zuzuhören, dem ein Problem Traurigkeit und Schmerzen brachte. Vater, kleine Dinge füllen meine Zeit, und nicht jeder Tag bringt Großes für mich. Doch ich lebe gerne mit diesen kleinen Momenten, die mich aus meinen Ängsten und Zweifeln lösen und mir zeigen, wie kraftvoll ein >trockener< Tag in meinem Leben verankert wird. Vater, hab´ meinen innigsten Dank dafür, daß ich wieder nüchtern mit einem Kind spiele, ein Kätzchen liebkose, das Lächeln eines Menschen mit auf meinen Weg nehme, einem bedrängten Freund zuhören darf. Danke, daß deine Liebe in kleinen Dingen für mich sichtbar wird. Danke, daß ich so mit dir reden darf. Amen. 
Gebet eines Alkoholkranken

Du bist ein wunderbarer, liebevoller Gott, du regierst uns wunderbar und freundlich. Du erhöhst uns, wenn du uns erniedrigst, du machst uns gerecht, wenn du uns zu Sündern machst. Du führst uns gen Himmel, wenn du uns in die Hölle stösst, du gibst uns Sieg, wenn du uns unterliegen lässt. Du tröstest uns, wenn du uns trauern lässt, du machst uns fröhlich, wenn du uns heulen lässt. Du machst uns singen, wenn du uns weinen lässt, du machst uns stark, wenn wir leiden. Du machst uns weise, wenn du uns zu Narren machst, du machst uns reich, wenn du uns Armut schickst. Du machst uns zu Herren, wenn du uns dienen lässt. Amen. 
Martin Luther



Auf der Reise

Gott, schenke uns die Gelassenheit, das hinzunehmen, was wir nicht ändern können. Gott, schenke uns den Mut, das zu ändern, was wir ändern können. Und schenke uns die Weisheit, guter Gott, das eine vom andern zu unterscheiden. Amen. 

Pilgergebet



Für die Tiere

O Gott, erhöre unsere heilige, demütige Bitte für unsere Freunde, die Tiere, und ganz besonders für die verfolgten Tiere, die überlasteten, hungerleidenden und für die grausam behandelten Geschöpfe, die mit ihren Flügeln an die Gitterstäbe ihrer Käfige schlagen; und für diejenigen, die verjagt, verloren oder dem Schrecken und Hunger preisgegeben sind, sowie für jene, die getötet werden sollen. Wir bitten, Herr, für sie um dein Mitleid und um deine Gnade; und für diejenigen, denen ihre Pflege obliegt, bitten wir um ein barmherziges Herz, weiche Hände und gütige Worte. Schaffe aus uns, Herr, wahre Freunde unserer Tiere, mit denen wir den Segen deiner Grossmut teilen dürfen. Amen. 

Albert Schweitzer



Gebet der Vereinten Nationen

Gott, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn
im grossen Weltall.
An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen,
dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden,
nicht von Hunger und Furcht gequält,
nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse,
Hautfarbe oder Weltanschauung.
Gib uns den Mut und die Voraussicht,
schon heute mit diesem Werk zu beginnen,
damit unsere Kinder und Kindeskinder
einst mit Stolz den Namen Mensch tragen.



Das Gebet des Herrn: Das Unser Vater


Er hört meine flehende Stimme, er hat mir sein Ohr zugeneigt. Psalm 116,1-4

Ein Bild aus dem Stuttgarter Psalter

Gebete für Gottesdienste (pdf); Evangelisch-reformierte Kirche, D-Leer


last update: 09.08.2016