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der Schweiz
S t e i n e
Steine am Ufer des Sees
Foto: Jakob Vetsch, 1991
Predigt von Pfr. Jakob
Vetsch, gehalten am ökumenischen Waldgottesdienst
vom 24. August 2003 in
Zürich-Matthäus und Allerheiligen
STEINE
Zu ihm tretet hinzu, dem lebendigen Stein, der von den Menschen zwar
verworfen, vor Gott aber auserwählt, kostbar ist, und lasset
euch auch selbst wie lebendige Steine aufbauen als ein geistliches Haus
zu einer heiligen Priesterschaft, um geistliche Opfer darzubringen, die
Gott angenehm sind durch Jesus Christus!
Denn es steht in der Schrift: "Siehe, ich lege in Zion einen
auserwählten, kostbaren Eckstein, und wer an ihn glaubt, wird
nicht zuschanden werden."
Euch nun kommt sein kostbarer Wert zugute, die ihr glaubt; für
die
aber, die nicht glauben, "ist der Stein, den die Bauleute verworfen
haben,
gerade zum Eckstein geworden" und ein Stein des Anstosses und ein Fels
des
Ärgernisses.
(1.Petrusbrief 2,4-8a)
Es geht um Steine. Sie können ganz Verschiedenes bedeuten. Die
heutige Predigt dazu gliedere ich in drei Teile: Der Stein in der Hand,
der Stein in der Sprache und der Stein in der Bibel. Wir kommen zum
ersten:
Der Stein in der Hand
Sie erhielten einen kleinen Stein zu Beginn des Gottesdienstes. Er
wurde sorgfältig auf einer Kiesbank im Rhein ausgesucht.
Millionen von Jahren war er Naturgewalten ausgesetzt. Er kam in
Berührung mit Gletschereis, mit der Brandung des Wassers, mit
Wind und Wetter. Er ist einmalig wie wir Menschen.
Vielleicht will uns der Stein etwas sagen. Siehst Du eine besondere
Figur? Oder gar ein Gesicht, oder einen Hut? Oder ist es die Form des
Steines selber? Vielleicht ist er kugelig, spitz oder glatt; etwas, das
Dir gefällt oder
Dich stört. Oder es ist seine Oberfläche, die fein
ist oder buckelig
oder gar kratzig.
Es kann sein, dass Dein Stein nun ein bisschen warm geworden ist,
Steine speichern Wärme. Und sie können reden, sie
können einem etwas mitteilen.
Der Stein in der Sprache
Wir pflegen in unserer Alltagssprache zu sagen, etwas sei "steinhart",
und jemand sei "steinalt" oder "steinreich". Der Hinweis auf den Stein
dient zur
Verstärkung. Bloss mit dem letzten Ausdruck war
ursprünglich "reich
an Edelsteinen" gemeint.
Für "Leidwerchen" wird hie und da der Ausdruck "Steine in den
Weg legen" verwendet, und jemanden fertig machen wird mit "Steinigen"
(die Hinrichtungsmethode der Juden) bezeichnet. Der Weg kann "steil und
steinig" werden, und jemand kann "wie versteinert" aussehen (Lots Frau
erstarrte zur Salzsäule, als
sie zurückblickte (1. Mose 19,26).
Es gibt da aber auch sehr Schönes: "Ich werfe Dir dann auch
wieder
einmal einen Stein in den Garten!" für etwas zuliebe tun. Und
dann ist
mir "ein Stein vom Herzen gefallen". Oder wenn man bei jemandem "einen
Stein im Brett hat", dann ist es schon etwas Feines!
Steine können behindern und im Wege liegen. Mit Steinen lassen
sich aber auch Strassen und Häuser bauen. Johann Wolfgang von
Goethe meinte optimistisch: "Auch aus Steinen, die in den Weg gelegt
werden, kann man Schönes machen." Scheinbar kommt es da auch
auf die Einstellung an.
Der Stein in der Bibel
Jakob legte sich auf einem Stein schlafen, träumte von der
Himmelsleiter und hörte die Worte: "Siehe, ich bin mit dir und
will dich behüten allenthalben, wo du hinziehst." (1. Mose
28,15) Daraufhin tat er ein Gelübde und sprach: "Dieser Stein
soll ein Gotteshaus werden." Und er nannte die Stätte
Bethel, das bedeutet übersetzt: Haus des Herrn, Gotteshaus.
Vom Hirten David heisst es, er habe sich fünf glatte Steine im
Bach gesucht (1. Samuel 17,40). So überwand er den Philister,
den mächtigen Goliath, mit Schleuder und Stein. Etwas Kleines
kann Grosses bewirken. Mit Gott kann der Kleine den
übermächtigen Grossen besiegen.
Im Psalm 118 steht geschrieben: "Der Stein, den die Bauleute verworfen
haben, der ist zum Eckstein geworden." Also ausgerechnet der achtlos
weggeworfene Stein wurde zum tragenden Stein. Er steht für das
Überraschende unseres Glaubens!
Aus den Sprüchen des weisen Königs Salomo (26,27)
kennen wir sehr wohl den berühmten Satz: "Wer andern eine
Grube gräbt, fällt selbst hinein." Der zweite
Versteil drückt dasselbe aus, aber er ist weniger bekannt:
"Und wer einen Stein wälzt, auf den rollt er zurück."
Ernst wird es beim Propheten Ezechiel (11,19). Dort sagt Gott: "Ich
werde ihnen ein anderes Herz geben. Ich werde ihnen das steinerne Herz
aus ihrem Leibe herausnehmen und ihnen ein fleischernes Herz geben."
Das macht Gott. So verändert Gott uns Menschen. Wo steinerne
Herzen verschwinden und fleischerne an ihre Stelle treten, da ist Gott
ganz und gar mit dabei.
Bei Gott ist nichts unmöglich. Darauf weist Johannes der
Täufer hin: "Gott vermag aus diesen Steinen Kinder zu
erwecken." (Matthäus 3,9).
Man darf Gott aber auch nicht ohne Not auf die Probe stellen. Dies
versucht der Teufel mit Jesus, wenn er ihn auffordert: "Gebiete, dass
diese Steine Brot werden!" (Matthäus 4,3)
Als die Pharisäer von Jesus verlangen, seinen Jüngern
bei seinem Einzug in Jerusalem die Hosianna-Rufe zu verbieten,
entgegnet er: "Wenn diese schweigen, werden die Steine schreien!"
(Lukas 19,40) Das Evangelium ist also
keineswegs aufzuhalten.
Wir kennen auch die Worte, die Jesus im Zusammenhang mit der
Ehebrecherin an die Schriftgelehrten und Pharisäer gerichtet
hat: "Wer unter euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein
auf sie." Kein einziger blieb selbstgerecht, alle gingen davon, einer
nach dem andern, die Ältesten voran. Ist die nicht
unglaublich? Jesus blieb allein mit der Frau zurück und sprach
barmherzig: "Auch ich verurteile dich nicht; geh, sündige von
jetzt an nicht mehr!" (Johannes 8,1-11)
Solches lässt aufhorchen. Und so ist es verständlich,
dass Jesus im Neuen Testament wegen seiner aufrüttelnden
Botschaft wie folgt bezeichnet wird: "Lebendiger Stein", "Eckstein" und
"Stein des Anstosses" (1. Petrusbrief 2,4-8). Und zu uns wird an
derselben Stelle gesagt: "Lasset euch selbst als lebendige Steine
aufbauen als ein geistliches Haus." Ähnlich wie er das
Licht der Welt ist und auch wir Lichter sein sollen, so ist er der
lebendige Stein und auch wir sollen uns als lebendige Steine zu einem
Haus aufbauen lassen, das Sinn macht. Das ist unsere Aufgabe als
Christen.
Wie zu Petrus ist zu uns allen gesagt: "Du bist Petrus, und auf diesen
Felsen will ich meine Kirche bauen." (Matthäus 16,18) Der Herr
rechnet mit uns.
Wir alle sind seine Kirche.
Ja, und am Schluss heisst es von einem grossen Stein, er sei
weggewälzt worden. An Ostern machten sich die beiden Frauen,
die den Leichnam Jesu salben wollten, Sorgen, wer ihnen wohl den Stein
von der Grabesgruft wegwälzen würde? "Und wie sie
aufblickten, sahen sie, dass der Stein fortgewälzt war."
(Markus 16,1-4) Die Sorge war von ihnen genommen. Das Leben mit Gott
ist offen, immer. Der Tod ist besiegt!
Ich lese nun noch ein Gedicht, das von der Hand einer Frau oder eines
Mannes niedergeschrieben wurde. Wir kennen die Person, die es verfasst
hat, nicht:
Meinst du es läge auf der
Strasse deines Lebens
auch nur ein Stein ein hindernder vergebens
Er mag nun hässlich gross sein oder klein
glaub nur da wo er liegt da muss er sein
Gewiss nicht um dein Weitergehn zu hindern
gewiss nicht um dir Kraft und Mut zu mindern
Nur darum legte in den ebnen Sand
des Weges ihn dir eine gütge Hand
damit du dir den Stein recht sollst beschauen
und dann mit Gott in gläubigem Vertrauen
darüber reden sollst und sollst ihn fragen
was er dir mit dem Hindernis will sagen
Und bist du Gott an jedem Stein begegnet
so hat dich jeder Stein genug gesegnet
Fürbitten (Waldgottesdienst 2003)
Herr, wir wollen nicht auf andere zeigen und Steine werfen, sondern
Acht haben auf unsere Herzen. Gib du uns dazu die nötige
Weisheit und Kraft ...
Wir wollen an uns selber arbeiten und uns einfügen in deinen
grossen Bau des Lebens. Zeige du uns den Platz und gib du uns die
richtige Arbeit ...
Segne du jeden Stein, der uns auf dem Wege liegt. Gib uns die Einsicht,
Widerwärtiges anzunehmen und in deinem Lichte zu sehen. So
wird es
hell ...
Mach du Steine zu Brot, wo die Erde unbewohnbar geworden ist. Gib uns
Nahrung für Geist, Seele und Körper. Und lass uns
teilen, was
wir erhalten haben ...
Zeig uns auch die Steine, die schönen, auf dem Weg des Lebens.
Sie erzählen von deinen Wundern, deiner Phantasie und Kraft ...
Der Stein der Weisen
Unter dem Stein der Weisen (lateinisch: Lapis philosophorum; arabisch:
El Iksir, daraus im Deutschen "Elixier") oder auch der Azoth, stellten
sich die Alchemisten seit der Spätantike eine Substanz vor,
durch die man unedle Metalle in Gold oder Silber verwandeln
könne. Eine derartige Umwandlung ist den Alchimisten niemals
gelungen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Stein_der_Weisen
last update: 19.03.2006