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Kreuzmeditation
zum Ewigkeitssonntag 2002 in Zürich-Matthäus
von Pfarrer Jakob Vetsch
Text: 2. Korinther 5,14-17  

Seit etwas mehr als zwanzig Jahren
hängt dieses Kreuz
in meinem Studierzimmer an der Wand.

Ich hab es mal irgendwo gesehen,
es hat mich angesprochen,
und ich hab es gekauft.
Jetzt hängt es an der Wand
vom Studierzimmer.

Manchmal, bevor ich den Raum verlasse
zu einem schweren Gang,
schau ich es an,
halt einige Sekunden inne,
und bitte Gott für den, zu dem ich gehe,
und auch für mich.

Ein etwas klobiges Kreuz,
dunkelgrau, fast schwarz:
Ein Zeichen für alles,
was im Leben eines Menschen quer steht.
Vielleicht hast du einen Lieben verloren,
wolltest ihn wiedersehen
und bist traurig.
Vielleicht möchtest du dich
bei jemandem entschuldigen
und bringst es nicht fertig.
Vielleicht bist du misstrauisch
und wolltest dich doch gerne
an jemanden binden.
Vielleicht hast du Angst
und wärest gerne fröhlich.
Das Kreuz weiss es,
weil Christus dran gelitten hat.

Ein etwas klobiges Kreuz,
und doch geschmeidig:
Ein Zeichen auch
für den Ausweg aus der Not.
Vielleicht willst du zu Gott,
und er hilft dir weiter.
Vielleicht wolltest du spüren
die Wärme deiner Eltern,
und er bringt dir ihre Liebe.
Vielleicht möchtest du
aus dir heraus,
und er öffnet eine Türe.
Vielleicht wolltest du leben,
und er zeigt dir wie.
Das Kreuz weist dir den Weg,
weil Christus es überwunden hat

Ein einfaches Kreuz,
und doch etwas Besonderes
mit dem roten Stein in der Mitte.
Manchmal grüsst er mich
dunkelrot und schwer
und dennoch hoffnungsvoll:
Du bist getragen,
auch jetzt,
von der Liebe Gottes,
die nie versagt.
Du bist aufgehoben
in seiner Kraft,
die überall hinreicht.
Du bist umschlungen
von seiner Geborgenheit,
die auch dich meint.

Manchmal grüsst er mich,
der rote Stein auf dem Kreuz,
ganz hell
und doch tief:
Du bist nicht allein,
auch in deiner Freude nicht.
Was du erlebst
erfährt seine Begründung
in Gott,
der es sammelt für dich
am letzten Tag,
dass es unendlich bleibt
und nie vergeht.
Da wirst auch du
zu Hause sein
und nicht verloren gehen.

Der rote Stein am Kreuz,
der wundervolle,
wenn am Abend vor dem Schlafengehen
ich es mir nochmals beschau,
sagt er mir:
Im Kreuz
mit dem Erlebnis dessen,
was quer steht in deinem Leben,
und mit dem Erlebnis dessen,
was dir das Weitergehen ermöglicht,
im Kreuz
liegt dein Schatz verborgen,
weil Christus dran gelitten
und es überwunden hat.

Was auch geschieht in der Nacht,
und was auch erwartet
dich am Morgen:
Er wird da sein,
er wird da sein für dich,
mit seinem Leben!



kreuzring.jpg

Römisch-byzantinischer Bronze-Ring mit eingraviertem Kreuzzeichen,
ca. 2.-3. Jh. A.D., Fundort Süd-/Osteuropa


Eine Legende berichtet:
Die Menschen waren mit ihren Kreuzen unterwegs.
Sie mühten sich ab mit ihrer schweren Last.
Doch einem war sein Kreuz zu lang.
Kurzerhand sägte er ein gutes Stück ab.
Nach langer Pilgerschaft
kamen alle an einen Abgrund.
Keine Brücke führte über das Land,
das ewige Freude und Gottes Nähe versprach.
Alle legten nach kurzem Zögern ihre Kreuze
über den Abgrund.
Und siehe: sie passten gerade.
Der aber sein Kreuz abgesägt hatte,
um es leichter zu haben,
stand nun betroffen und verzweifelt.

Der Weg zum Himmel führt beim Tränenkreuz vorbei.
Aus England

Das erste Zeugnis für das Schweizer Kreuz
findet sich in einem Bericht über die Schlacht
bei Laupen aus dem Jahre 1339.
Demnach zogen die eidgenössischen Krieger aus,
"mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes" gezeichnet.


last update: 25.08.2015