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Zum Rücktritt des Gretschinser Organisten

Dank an Hans Eggenberger-Gauer

Anfangs Sommer 1998 hat der langjährige Gretschinser Kirchenmusiker Hans Eggenberger-Gauer seinen Orgeldienst anderen Händen übergeben. Man wird es verstehen, wenn ich dieses Ereignis zum Anlass nehme, ihm meine persönliche Anerkennung für seine hohen Verdienste um die Kirchenmusik im Tal und meinen herzlichen Dank für die intensive Zusammenarbeit auszusprechen, die uns anderthalb Jahrzehnte verbunden hat!

Der beliebte Physiklehrer der Kantonsschule Sargans verschrieb den grössten Teil seiner Freizeit dem Orgelspiel in der Gretschinser St.Martinskirche. Fast Sonntag für Sonntag begab er sich bereits nach 8 Uhr von seinem Heim in Oberschan zum nahegelegenen Wartauer Kirchdorf, wo er sich nach einem kurzen Besuch auf dem Friedhof der musikalischen Vorbereitung des Gottesdienstes widmete. In dieser Sonntagvormittagstunde gehörte der Kirchenraum ihm allein, was er sichtlich genoss und woraus er auch Kraft für sein Leben und Wirken schöpfte. Zusammen mit Gottesdienst und Jugendgottesdienst verbrachte er fast den ganzen Morgen in jener Kirche, die ihm Heimat bedeutet. Während der Gottesdienste habe ich Hans Eggenberger als dankbaren und kritischen Predigthörer schätzen gelernt, der seine Musik auf das Thema des Sonntages abzustimmen und sich in die Herzen der Kirchgänger hineinzuspielen wusste. Drei grosse Begabungen dürfen nicht unerwähnt bleiben. Zum Ersten beherrschte Hans Eggenberger das Zusammenspiel mit den Vertretern sämtlicher anderer Instrumente, von der Querflöte am Gottesdienst zum Neuen Jahr mit den SchülerInnen von Lisbeth Willi über das Panflötenspiel von Robert Schumacher am Ewigkeitssonntag bis hin zu den Alphörnern der Gruppe um Christian Senn. Auch wenn sein Spiel zur Untermalung von Chorstimmen gefragt war, verstand er sich stets freudig anzupassen. Zum Zweiten engagierte er als Konzertorganisten seinen Kollegen und Musiklehrer Ludwig Kohler, Organist in Bad Ragaz. Ohne Ressentiments und im vollen Bestreben, den aus nah und fern oft zahlreich angereisten Konzertbesuchern das Beste zu bieten, überliess er ihm sein Arbeitsinstrument und konzentrierte sich auf das Organisatorische, das er stets in sorgfältiger Absprache mit dem Pfarramt leistete. So wurde Gretschins während Jahrzehnten als Konzertort aufgebaut, was manchem einen neuen Zugang zur Kirche und ihrer Botschaft ermöglichte und sich zweifellos auch günstig auf den Gottesdienstbesuch und das Gemeindeleben auswirkte. "Last but not least" sei der Orgelbauer Hans Eggenberger erwähnt, der die alte Trimmiser Orgel kaufte, sein Auto aus der Hausgarage stellte und ebendort die Zweitorgel der Gretschinser Kirche erbaute, welche er der Kirchgemeinde Wartau-Gretschins zum Selbstkostenpreis vermachte. Da steht sie nun im Chorraum der Martinskirche, die "Johannes-Orgel", und macht den Raum der heimeligen Bergkirche zu einem unverwechselbaren Kleinod.

Nun, der Zurückgetretene ist noch zu jung, um die Hände in den Schoss zu legen, und ich möchte es dem Werdenberg gönnen, wenn er sich dazu entschliessen könnte, seine Fähigkeiten und sein treues Engagement wieder einmal einer Kirchgemeinde zur Verfügung zu stellen. Bis es vielleicht so weit ist, wünsche ich ihm und seiner Frau Margrith viel Freude an der vermehrten Freizeit und danke ihm tief für alles Geschenkte und Erlebte, das den Kirchgängern und auch uns selber von keiner Seite mehr strittig gemacht werden kann, weil vieles für die Ewigkeit drin liegt!

Jakob Vetsch, Pfr. 
Zürich-Matthäus / Wartau-Gretschins
Im Juli 1998



Die Johannes-Orgel, erbaut von Hans Eggenberger, war von 1985 bis 1999 in der St. Martinskirche von Gretschins als zweite Orgel von der Hauptorgel aus spielbar. Ihre Register: Bourdon 8', Dolce 8', Prinzipal 4', Flöte 4' (diese stammen von der Kuhn-Orgel, 1908, Trimmis GR), Prinzipal 2', Larigot 1 1/3'. Leider hatte sie einer Innenrenovation der Kirche zu weichen.


last update: 29.09.2012