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Baum

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Foto: Stana Vetsch, 2005



Gedanken zum Baum

Wer einen Baum pflanzt, wird den Himmel gewinnen.
Konfuzius

Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt. Wir fällen sie und verwandeln sie in Papier, um unsere Leere darauf auszudrücken.
Kahlil Gibran (1883-1931)

Treue kommt von indogermanisch deru, d.h. Eiche. Treusein heisst demnach Eichesein, Baumsein.

Dem Bruder, der das Holz für das Feuer spaltete, gab Franz die Weisung, er solle nie einen Baum völlig aushauen, sondern immer noch ein Stück des Stumpfes stehenlassen, aus Liebe zu jenem, der unser Heil am Holz des Kreuzes wirken wollte. 



Luft- und Wasserspender

Ein Baum gibt Luft für zehn Personen. In Sachen Energie ist jeder Laubbaum ein wahres Multitalent. Ein grösserer Laubbaum wie eine Buche oder Linde verdunstet bis zu 500 Liter Wasser täglich und ist damit eine willkommene Kühlmaschine. Der Baum entzieht mit dieser Leistung seiner Umgebung eine Wärmemenge von rund 300´000 Kilokalorien. Dies wiederum entspricht einem Heizwert von 35 Liter Heizöl, was eine Tagesration für ein Zweifamilienhaus ausmacht. Zur Kühlwirkung durch Wärmeentzug kommen die Schattenwirkung und die Staubbindung als Beitrag zur Klimaverbesserung hinzu. Und schliesslich setzt ein Laubbaum bei der Assimilation den Sauerstoffverbrauch für zehn Menschen frei.
AP - Nach Informationen des Landwirtschaftlichen Informationsdienstes LID in Bern



Die Symbolik des Baumes

In Religionen und Kulturen aller Zeiten ist der Baum ein wichtiges Symbol. Sei es wegen seiner aufrechten, in der Erde verwurzelten himmelweisenden Gestalt oder seiner jährlich sich erneuernden Lebenskraft und seiner Früchte, die er trägt. Der Baum wird in den Mythen als Aufenthaltsort geheimnisvoller Mächte verehrt. Lebensbaumdarstellungen im Vorderen Orient deuten ihn als Achse und Mitte der Welt. Manche Baumarten, wie der Ölbaum, haben im Mittelmeerraum eine besondere Stellung. Für Wüstenvölker verkörpert er mit seinem Grün das Leben schlechthin. Bei ihm findet man Schatten und Windschutz, und er verheißt Wasser in der Tiefe. Auch die biblische Tradition nimmt Deutungen und Bilder aus der Umwelt auf, wenn sie von Bäumen spricht.

Von den Bäumen der Schöpfungsgeschichte ist der "Baum des Lebens" mit seiner Herkunft aus der uranfänglichen Fülle des Paradieses zum Symbol der Erfüllung in der Endzeit geworden. In christlicher Tradition wurde er dann mit dem Kreuz Christi in Verbindung gebracht: Christus ist unser "wahrer Lebensbaum", er hat uns das Paradies zurückgegeben. In der mittelalterlichen Kunst findet man häufig "Baumkreuze" mit Blättern, Blüten und Früchten, um auf die Überwindung des Todes in Christi Sterben und Auferstehen hinzuweisen. Nach einer alten Legende soll das Kreuz aus dem Holz des "Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse" gezimmert sein, auch dies ist auf die Überwindung der Todesmächte zu deuten.

Eine andere symbolische Baumdarstellung ist die der "Wurzel Jesse", gestaltet als Stammbaum Jesu. Die Weissagung des Jesaja, dass aus dem Wurzelstamm Isais ein Zweig hervorgeht, der der Messias der Welt sein wird, wird unter Aufnahme ägyptischer Vorbilder zu einem Baum gestaltet. Die Legende erzählt, Davids Vater Isai (Jesse) habe aus seinem Leib einen Baum wachsen sehen, dessen Verzweigungen alle seine Nachkommen gewesen seien. So sind in den Zweigen dieses Stammbaumes dann die atl. Könige und oft auch die Propheten als geistliche Vorväter dargestellt. In seinem Wipfel thront Maria mit dem Kind. Anders ist den Kirchenvätern der aufrechte Baum Symbol des Gläubigen in seiner Orientierung auf Gott. Mit Baumdarstellungen auf Sarkophagen bringen die frühen Christen ihre Hoffnung auf Auferstehung und das Paradies zum Ausdruck, das sich für den Glaubenden neu öffnet. 

Johannes Sell



Eine Geschichte

Einem Mann in Frankreich starben Frau und Kinder. Wofür sollte er noch leben? So lässt er seinen Bauernhof in einer fruchtbaren Ebene zurück und zieht mit seinen Schafen in eine trostlose Gegend, in die Cevennen, fast eine Wüstenlandschaft. Dörfer mit zerfallenen Häusern, mit unglücklichen Menschen. Der Mann erkennt: Diese Landschaft wird sterben, wenn keine Bäume wachsen. So besorgt er sich Eicheln. Die guten legt er in einen Eimer Wasser, damit sie sich vollsaugen. Dann zieht er los, stösst mit einem Eisenstab in die Erde, legt Eicheln hinein, da und dort. Nach drei Jahren hat er mehr als hunderttausend Eicheln in die Erde gesetzt. Wenn nur zehntausend aufgehen, denkt er. So verbringt er den Rest seiner Jahre. Und als er 1947 mit 89 Jahren stirbt, hat er wunderschöne Wälder geschaffen, die schönsten Frankreichs. Drei Wälder von 11 km Länge und 3 km Breite. Was damit geschah? Die Wurzeln halten das Wasser fest, in den Bächen fliesst wieder Wasser, es gibt wieder Wiesen und Blumen, die Vögel sind zurückgekehrt, und die Dörfer sind wieder schön. Die Leute, die da wohnen, denken nicht mehr an den Mann, dem sie das alles verdanken. 

Matthias Utters nach J. Giono



Aus einer Predigt

Der wichtige und bekannte Psalm 1, den es früher nicht ohne Grund auswendig zu lernen galt, verweist auf das Gesetz des Herrn und auf die Heilige Schrift, die wir ständig bedenken und in der wir festgewurzelt und verankert leben sollen:

"Glückselig der Mensch,
der nicht wandelt im Rate der Gottlosen,
und nicht steht auf dem Wege der Sünder,
und nicht sitzt auf dem Sitze der Spötter,
sondern seine Lust hat am Gesetz des Herrn
und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht!
Der ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen,
der seine Frucht bringt zu seiner Zeit,
und dessen Blatt nicht verwelkt;
und alles was er tut, gelingt."
   
Der Mensch als Baum, Stammbaum, Lebensbaum, Wettertanne, ein bäumiger Mensch, wie wir zu sagen pflegen. Gemeint ist die Treue des Menschen zu Gott und der Segen Gottes, der ihm dadurch beschieden ist. Gemeint ist sein Leben in den Geboten, seine Orientierung an den Offenbarungen Gottes und der Segen, der ihm Gott dafür angedeihen läßt.
Auch der schreibende Pfarrer William Wolfensberger vergleicht uns Menschen mit Bäumen und spricht unmittelbar zu uns wie ein guter Ratgeber:

"Sei schlicht und wahr, und glaube nie anders zu sein als alle andern. Der Wald ist von Bäumen voll. Jeder hat andere Art, und anders ist jeder von Gestalt und Ansehen. Aber aller Wurzeln gieren mit zähen Fingern nach Nahrung und Halt. Gleich sind sie alle und keiner dem andern verwandt. Welche Gemeinschaft der verschiedenen und verschiedensten! Ist eine Krone gleich der andern? Ward je ein Zweig dem andern gleich? Gleich sind sie nur in der Ähnlichkeit und ähnlich nur im Unterschied!
Aber alle schüttelt, wenn die Stunde kommt, derselbe Sturm und peitscht Geäst und bückt die hohen Kronen, daß die Stämme leise seufzen.
Sei schlicht und wahr. Viel tausend Menschen stehn und wachsen hoch, und jeder rauscht sein eigen Lied. Viel tausend Hände gieren und suchen Halt und Kraft im Grund. Aber uns durchsaust alle, wenn die Stunde kommt, derselbe Gottessturm des Geschickes; Verkrüppelte, Grade, Alte und Junge packt er an und beugt die Kronen selbst...
Es geht ein Beben hin durch Ast und Zweig. O halt dich gut, der Wald rauscht auf und klagt. Gemeinschaft ward uns nur in einem: Uns beugt derselbe Sturm zur selben Zeit, die Familie der Seufzenden."

Wenn wir von Stürmen geschüttelt werden, dann möchte Gott ganz besonders in unser Leben eingreifen, dann möchte ER wirken an uns. Das ist ein großer, entscheidender Unterschied, ob wir das wissen dürfen, oder ob wir dann denken, es sei sonst eine Macht oder es sei umsonst. Der Prophet Ezechiel (17,24) hat dieses erschütternde Erlebnis einst so beschrieben: "Und alle Bäume des Feldes werden erkennen, daß ich, der Herr, den hohen Baum erniedrigt, den niedrigen Baum erhöht habe, den grünen Baum verdorren und den dürren Baum grünen ließ. Ich, der Herr, habe geredet und werde es tun."
Der Baum, der an den Wasserbächen gepflanzt ist, wird durch die Stürme des Lebens gekräftigt. Er wird wertvoller, interessanter. Er erzählt mehr vom Leben. Er hat das Leben in sich. Er ist geprüft und geliebt von Gott.



Baumgebete

Herr, wie ein Baum sei vor dir mein Leben,
Herr, wie ein Baum sei vor Dir mein Gebet.
Gib Wurzeln mir, die in die Erde reichen,
dass tief ich gründe in den alten Zeiten,
verwurzelt im Glauben meiner Väter.
Gib mir Kraft zum festen Stamm zu wachsen,
dass ich aufrecht an meinem Platz stehe
und wanke nicht, auch wenn die Stürme toben.
Gib, dass aus mir sich Äste frei erheben,
o meine Kinder, Herr, lass erstarken
und ihre Zweige recken in den Himmel.
Gib Zukunft mir, und lass die Blätter grünen
und nach den Wintern Hoffnung neu erblühen,
und wenn es Zeit ist, lass mich Früchte tragen.
Herr, wie ein Baum sei vor dir mein Leben.
Herr, wie ein Baum sei vor dir mein Gebet.
Lothar Zenetti

Baum für Baum
entziffere die Schrift.
Äpfel duften
am schönsten nachts.
Komm zur Ruhe,
sei Gebet.
Reinige den Tempel
mit einem Lächeln.
Ralf Rothmann


Der Baum in Gedichten

Löse dich von Haus und Haft,
Ehe der Herd verglimmt.
Denn zu Gottes Wanderschaft
Bist du vorbestimmt.
Namenloses Zeitenkind,
Baum im Wanderschuh!
Was am Prellstein hockt und sinnt,
Das bist nicht mehr Du.
Gib dich der verborgnen Hand,
Die dich angerührt.
Hebe dich vom Grabenrand.
Geh, du bist geführt.
Werner Bergengruen, Wandlung

DAZU ein Gedicht von Hilde Domin:

Ziehende Landschaft

Man muss weggehen können
und doch sein wie ein Baum:
als bliebe die Wurzel im Boden,
als zöge die Landschaft
und wir ständen fest.



Was die Sprache noch weiss ...

Wir reden vom Stammbaum und vom Stammtisch.
Wir sagen, jemand sei aus gutem Holz oder ein bäumiger Mensch,
Holz "aalänge" (für: das Glück behalten) und Holzweg (für: Irrtum).



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Thema "Baum"



last update: 27.08.2015