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Predigt zum Sonntag, 1. September 2013 in der Wasserkirche Zürich, von Pfarrer Jakob Vetsch

Licht, das in die Welt gekommen

Predigttext: Johannes 8,12-14a
"Ein andermal sagte Jesus zu ihnen: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir folgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern das Licht des Lebens haben. Da sagten die Pharisäer zu ihm: Du legst ja über dich selbst Zeugnis ab. Dein Zeugnis ist nicht glaubwürdig. Jesus entgegnete ihnen: Auch wenn ich über mich selbst Zeugnis ablege, ist mein Zeugnis glaubwürdig, denn ich weiss, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe."

Liebe Gemeinde

Manchmal ist es eine Frage zwischen den Konfessionen: Soll dem Wort oder dem Licht Priorität zustehen? Die einen beharren darauf: Wir sind eine Kirche des Wortes. Die anderen hängen daran: Es geht doch um das Licht des Lebens!
Ihre Augen leuchten dabei, und das bringt mich auf die Idee der fünf Sinne, und ob das wohl mit ihnen zu tun hat? Ich konsultiere Wikipedia, schlage den Artikel über den Sinn, die Wahrnehmung nach und sehe als erstes den Abschnitt über "Die fünf Sinne des Menschen". Gebannt lese ich da:

1.    Sehen, die visuelle Wahrnehmung mit den Augen
2.    Hören, die auditive Wahrnehmung mit den Ohren
3.    Riechen, die olfaktorische Wahrnehmung mit der Nase
4.    Schmecken, die gustatorische Wahrnehmung mit der Zunge
5.    Tasten, die taktile Wahrnehmung mit der Haut

Da haben wir's: Das Wort spricht wohl den zweiten Sinn des Hörens an, die auditive Wahrnehmung mit den Ohren, aber das Licht, vor allem das Kerzenlicht, spricht nicht nur den ersten Sinn an, das Sehen, die visuelle Wahrnehmung mit den Augen, sondern auch noch den dritten Sinn, das Riechen, die olfaktorische Wahrnehmung mit der Nase, und den fünften Sinn, das Tasten, die taktile Wahrnehmung mit der Haut. Es sind mehr Sinne angesprochen. Liegt die offensichtliche Beliebtheit des Kerzenlichtes wohl daran?
Ein alleinstehender Mann hat einmal offenbart, wenn er am Abend nach Hause komme, zünde er – vor allem in der dunkleren Winterszeit – ein paar Kerzen an, dann fühle er sich nicht mehr allein. Das verleiht ihm Geborgenheit, das Gefühl des Eingebundenseins in eine Gemeinschaft und Teilzuhaben am grossen Ganzen des Lebens.

Trotzdem möchte ich das Licht nicht gegen das Wort ausspielen. Auch ein Wort kann hell und warm sein. Der Psalmensänger sagt zudem in Psalm 119, Vers 105:

"Dein Wort ist eine Leuchte meinem Fuss
und ein Licht auf meinem Pfad."

Im Wort kann das Licht enthalten sein, und es ist ja auch so, dass das Wort aus Gottes Mund das Licht als erste Schöpfungstat erschaffen hat:

"Da sprach Gott: Es werde Licht!
Und es wurde Licht."

Als "Licht der Welt" bezeichnet sich in den berühmten "Ich-bin-Worten" unser Herr Jesus Christus, wie wir es im Predigttext vernommen haben. Wer ihm nachfolgt, wird nicht im Dunkeln bleiben, sondern "das Licht des Lebens" haben.
Das sind grosse Worte, und es ist bezeichnend, dass fast im selben Atemzug der Hinweis geschieht, er wisse woher er gekommen sei und wohin er gehe.

Wort und Licht haben ihre Wege, und zu wissen, woher wir kommen und wohin wir gehen, ist entscheidend für das Gelingen des Lebens. Wir reden ja auch von der Lichtgeschwindigkeit, ein schneller Weg. Wort und Licht erreichen unsere Herzen wohl deshalb so geschwind, weil sie uns schon vor langer Zeit im Keim dort hinein gelegt sind.

Meister Eckhart pflegte zu sagen: "Gelegentlich habe ich von einem Licht in der Seele gesprochen, das ungeschaffen und unerschaffbar ist. Genau dieses Licht pflege ich stets in meinen Predigten zu berühren."

Wir hören das Wort, wir tragen das Licht in unseren Herzen. Wir nehmen auf, was Rose Ausländer empfiehlt:

"Der Engel in dir
freut sich über dein Licht,
weint über deine Finsternis;
aus seinen Flügeln
rauschen Liebesworte,
Gedichte, Liebkosungen.
Er bewacht deinen Weg.
Lenk deinen Schritt engelwärts."

Ja, engelwärts, in die Nähe von Gott, er um uns, wir in ihm. Daher kommen wir ja, und dahin gehen wir. Mit Jesus Christus. Amen!



Gottesdienstablauf

Orgel-Eingangsspiel

Grusswort:
"Singt dem Herrn ein neues Lied, singt dem Herrn, alle Länder.
Singt dem Herrn, preist seinen Namen, verkündet seine Hilfe von Tag zu Tag." (Psalm 96,1)

Lied 156,1-4 ("Herr Jesu Christ")

Gebet zur Sammlung (vom Kirchenlehrer Ambrosius):
Gott, Schöpfer der Welt, Lenker des Himmels, Du kleidest den Tag in den Glanz Deines Lichtes und schenkst uns Ruhe im Schlaf der Nacht. Der Tag hat sich geneigt, und die Nacht bricht ein. Dankbar singen wir Dir zum Lob das Gebet des vergangenen Tages. Dich preise unser Herz, Dir singe unsere Stimme, Dich ehre die reine Liebe, Dich bete an der Geist. Wenn dann die Dunkelheit anbricht und das Tageslicht verdrängt, bleibe unser Glaube wach und erhelle die Nacht. Laß nicht zu, daß der Geist ermattet; die Sünde soll ruhen. Frisch und rein werde unser Denken, die Unruhe vergehe in der Nacht. Jede Bosheit möge verschwinden, träumen möchte ich von Dir, und die Angst vor dem Feind kann unseren Frieden nicht stören. Wir rufen an Christus und den Vater und den Heiligen Geist Gottes: Einziger, wahrer und dreifaltiger Gott, sei allen gnädig, die zu Dir beten. Amen.

Lesung: Genesis 1,1-5
"Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und öde, und Finsternis lag auf der Urflut, und der Geist Gottes bewegte sich über dem Wasser. Da sprach Gott: Es werde Licht! Und es wurde Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Und Gott schied das Licht von der Finsternis. Und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein Tag."

Lied 259,1-4 ("Licht, das in die Welt gekommen")

Predigttext: Johannes 8,12-14a
"Ein andermal sagte Jesus zu ihnen: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir folgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern das Licht des Lebens haben. Da sagten die Pharisäer zu ihm: Du legst ja über dich selbst Zeugnis ab. Dein Zeugnis ist nicht glaubwürdig. Jesus entgegnete ihnen: Auch wenn ich über mich selbst Zeugnis ablege, ist mein Zeugnis glaubwürdig, denn ich weiss, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe."

1. Zwischenspiel der Orgel

PREDIGT: Licht, das in die Welt gekommen

2. Zwischenspiel der Orgel

Gebet (Fürbitten und Unser Vater)

Lied 795,1-7 ("Sonne der Gerechtigkeit")

Mitteilungen

Lied 342,1-6 ("Ach bleib mit deiner Gnade")

Segen

Ausgangsspiel


last update: 05.12.2015