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Glück ist brennen und vergehen



HEILIGABENDFEIER vom 24. Dezember 2015 um 22:30 Uhr, Kirche Zürich-Leimbach
Pfarrer Jakob Vetsch; Organistin Katja Peter; Marina Yakovleva (Geige);
Peter Brunner (Drehorgel)

Orgel- / Geige-Eingangsspiel

Grusswort: Wir beginnen im Namen Gottes, der Kraft, die alles schafft; im Namen Jesu Christi, der ein Mensch geworden ist wie wir; und im Namen des Heiligen Geistes, der Gemeinschaft stiftet und unsere Herzen zärtlich umfängt.

Lied 413,1-4 ("Herbei, o ihr Gläub'gen")

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Gebet zur Sammlung:
Guter Gott, wir danken dir, dass du als Kind, als Mensch
zu uns auf die Erde gekommen bist.
Darüber freuen wir uns und deshalb dürfen wir Weihnachten feiern.
Weil du Mensch geworden bist, dürfen wir darauf vertrauen,
dass du weisst, was uns Menschen bewegt.
So danken wir dir für all das Gute und Schöne, das du uns schenkst.
Wir bringen aber auch vor dich, was uns Kummer bereitet.
Wir bitten dich, erfülle unser Herz mit Freude und Frieden.
Sorge aber auch ganz besonders für die Menschen,
die von Friede und Geborgenheit wenig spüren.
Amen.

Lesung (nach Lukasevangelium 2,1-20 – Lektor Peter Härtli):
Josef musste mit Maria nach Bethlehem. Viele Leute waren auch auf
dem Weg dahin zu einer Volkszählung. Augustus, der Kaiser von Rom, wollte es so. Als Maria und Josef da waren, bekam Maria ihr Kind. Aber nirgendwo war Platz für sie. Da wickelte Maria ihr Kind in Windeln und legte es in eine Futterkrippe.
Und niemand achtete darauf, niemand. Denn alle meinten ja: wenn
der Retter der Welt kommt, dann kommt er wie ein König.
So achtete niemand auf das Kind in der Futterkrippe. Aber in der Nähe auf dem Feld waren Hirten, arme Leute, über die man schlecht sprach. Sie wachten im Dunkeln.
Da wurde es auf einmal hell um sie. Denn Gott sprach durch einen
Engel zu ihnen: "Freut euch! Habt keine Angst! Euch ist heute in
Bethlehem, in Davids Stadt, der Heiland geboren, der Herr, der Retter
für alle Menschen. Ihr werdet ein Kind in einer Futterkrippe finden, in Windeln gewickelt. Ihr könnt euch überzeugen. Das ist das Zeichen."
Da sagten die Hirten: "Der Heiland der Welt? Ein Kind in einer Krippe? Wir gehen hin!"
Und sie liefen hin, fanden Maria und Josef und das Kind in der Krippe. Und sie erzählten freudestrahlend überall: "Der Retter ist geboren, ein Kind in Bethlehem, der Retter für uns und für alle, damit Friede wird. Freut euch!"
Da erkannten sie: Gott ist gross. Er hat es heute gezeigt. Alle sollen "ja" zu ihm sagen. Auf Erden wird Friede anfangen, wo die Menschen dieses Geschenk Gottes annehmen und weitergeben!

1. Teil Drehorgelmusik: "Es ist ein Ros entsprungen" (Peter Brunner, Zürich)

GESCHICHTE: Die Kirchenmaus und die Bienenwachskerze

Es war einmal eine arme Kirchenmaus, die lebte in einer grossen, schönen, aber kalten Kirche. Leider gab es hier nur wenig zu fressen, deshalb fiel es der kleinen Maus gleich auf, als eines Tages in der Adventszeit ein süsser Honigduft durch die Kirche zog. "Hm", schnupperte das Mäuschen. "Woher kommt dieser herrliche Duft?" Und es folgte seiner Nase. Nicht lange, da stand die Kirchenmaus vor einer grossen Bienenwachskerze, die zwischen Tannenzweigen aufgestellt war. "Oh, riechst Du schön!", sagte das Mäuschen. "Und wie ich erst leuchte!", erwiderte die Bienenwachskerze. "Das würde ich gerne einmal sehen", sagte das Mäuschen. "Ich bin immer nur in der Kirche, wenn keine Lichter mehr brennen."
So beschloss die Bienenwachskerze, dass sie einmal für die Kirchenmaus ganz allein leuchten wollte. Tatsächlich, eines Abends nach dem Gottesdienst behielt die Kerze heimlich einen Funken Glut in ihrem Docht, als sie nicht recht ausgeblasen wurde. Als niemand mehr nach ihr sah, fing sie, angefacht durch einen Luftzug, wieder zu brennen an. Als die arme Kirchenmaus sie so in der grossen, dunklen Kirche sah, konnte sie zunächst keinen Ton herausbringen. Noch nie hatte das Mäuschen die grosse Kirche so gesehen, die kleine Kerzenflamme verwandelte die Dunkelheit der Kirche in ein wunderbares Spiel aus Licht und Schatten. "Oh, ist das schön!", piepste das Mäuschen und lief zur Bienenwachskerze hin. In deren Nähe war es ganz hell. Und die arme Kirchenmaus fühlte sich dort bei der Kerze so wohlig warm, wie sonst nur im Sommer an einem warmen Stein. "Danke!", flüsterte das Mäuschen der Kerze zu. "Danke, so schön war es noch nie hier in meiner Kirche." Da lächelte die Bienenwachskerze und fast hatte es den Anschein, als würde sie beim Lächeln kleiner.
Lange, lange Zeit sass die Maus bei der Kerze. Warm war es dort, hell und schön. Die arme Kirchenmaus genoss diese Nacht. Ihr war es, als würde sie im Licht und der Wärme der Bienenwachskerze baden. Doch plötzlich erschrak das Mäuschen. "Du bist ja ganz klein geworden!", piepste das Mäuschen. "Merkst Du das erst jetzt?", erwiderte die Kerze mit leiser Stimme. "Komm, ich will Dir ein Geheimnis verraten!", flüsterte sie. Und das Mäuschen spitzte seine Ohren.
Die Bienenwachskerze begann zu reden: "Mäuschen, Glück ist brennen und vergehen. Verstehst Du das?" Das Mäuschen schüttelte den Kopf. "Nun, was wir zusammen erlebt haben, Mäuschen, das ging nur, weil ich mich nicht gefürchtet habe, kleiner zu werden. Hätte ich eine grosse, schöne, duftende Bienenwachskerze bleiben wollen, hätte ich nie das Glück in Deinen dunklen Mäuseaugen sehen können. Nie hätte ich Deine Freude miterlebt, wenn ich den Funken nicht im Docht hätte glimmen lassen und für Dich gebrannt hätte. Ohne mein Leuchten wäre die Kirche jetzt dunkel und kalt und nicht warm und erhellt."
"Das verstehe ich", sagte die Kirchenmaus. "Weil Du brennst und kleiner wirst, ist es schön für mich und ich bin froh. Du verschenkst Dich mit Licht und Wärme an mich." – "Das hast Du schön gesagt", erwiderte die kleine Bienenwachskerze. "Ja, ich verschenke mich an Dich, damit Du glücklich bist." Mit grossen Augen schaute das Mäuschen die immer kleiner werdende Bienenwachskerze an. "Glück ist brennen und vergehen", murmelte es. Die Bienenwachskerze nickte und strahlte noch einmal besonders hell. Ihr Lichtschein fiel auf das Gesicht des gekreuzigten Jesus, der aus Holz geschnitzt am Altarkreuz hing. Fast war es der Kirchenmaus so, als habe er gelächelt.
Auch später ging es der kleinen Maus oft so, dass sie in stillen Augenblicken diesen Jesus anschaute, wenn ihr die Bienenwachskerze in den Sinn kam und ihr der Satz einfiel: "Glück ist brennen und vergehen."

2. Teil Drehorgelmusik: "Wie gross bist du" (Peter Brunner, Zürich)

Heiligabendfeier 2015.jpg

Fürbitten und "Unser Vater im Himmel":
Gott, unser Vater, in dieser Nacht feiern wir die Geburt deines Sohnes Jesus Christus. Durch ihn willst du unser Leben hell machen. Wir loben und preisen dich. Und wir vertrauen dir auch an, was uns im Herzen bewegt (...)
Ja, Herr, lass es hell werden in uns und um uns herum. Sei uns nahe in diesen festlichen Tagen und erfülle unsere Herzen mit weihnächtlicher Freude, der du bist:
"Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen."

Mitteilungen (Lektor Peter Härtli)
Kollekte: HEKS Weihnachtssammlung

Lied 412,1-3 ("Stille Nacht; alle stehend, Kirche abgedunkelt")

Segen:
Gott, der in seiner Liebe allmächtig ist, segne uns
und schenke uns langen Atem in dieser Zeit,
in der viele hetzen und drängen.
Er lasse uns die Ruhe und Gelassenheit finden, die wir brauchen,
um zu spüren, dass er für uns da ist.
Er lasse Gerechtigkeit auf uns herabkommen
und auf alle Menschen dieser Erde.
Er schenke uns Vertrauen darauf, dass er bei uns ist
in jeder Situation unseres Lebens.
So segne uns Gott, der Barmherzige: Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Amen.

Orgel- / Geige-Ausgangsspiel



 
last update: 02.01.2016